Der Mensch ist von Natur aus ein Fleischfresser. Seit Jahrtausenden jagen Menschen Mammuts für ein paar saftige Keulen, halten Kühe, um sie zu melken oder Hühner, um ihre Eier zu bekommen.
Ich bin ebenfalls ein Fleischfresser, wenn nicht sogar DER Fleischfresser. Big Mac, Gulasch, Salami-Pizza und Döner sind meine täglichen Begleiter. Ohne Fleisch werde ich zickig. Ergänzt wird mein Nahrungsmittelprogramm meistens mit weiteren tierischen Erzeugnissen aus Milch oder Eiern.
Nach geschätzten 5000 Dönern machte sich dann das erste Mal mein schlechtes Gewissen bemerkbar und ich fing an meine Nahrungsauswahl zu bedenken. Muss es denn sein, dass Tiere tagtäglich ausgenutzt werden, damit wir ihr Fleisch, ihre Milch, ihr Leder etc. bekommen? „Das ist der Lauf der Natur“ werden jetzt einige stöhnen, „wir brauchen Fleisch um gesund zu bleiben“ andere. Stöhnen kann man viel. Ich habe den Selbstversuch gewagt und eine Woche vegan gegessen.
Aber was ist eigentlich „vegan“? Veganer verzichten komplett auf den Konsum von Fisch, Fleisch, Milch, Eiern, Honig oder Produkten, die aus diesen Zutaten hergestellt werden. Medikamente oder Kosmetika, die an Tieren getestet werden sind ebenso tabu, wie der Besuch im Zoo oder die Lammfell-Jacke. Im Gegensatz zu Vegetariern verzichten sie also nicht nur auf den Konsum von Fleisch, sondern auf alles was auch nur im Entferntesten mit Tieren zu tun haben könnte. Veganern geht es dabei nicht ausschließlich darum, Tierhaltung anzuprangern, sondern ebenfalls darum, dass Tierhaltung den Treibhauseffekt begünstigt. Des Weiteren werden für eine nichtvegane Ernährung wesentlich mehr Ressourcen(Wasser, Land, etc.) benötigt als für die Herstellung von pflanzlichen Produkten.
Zurück zu meinem Selbstversuch. Um den Unterschied von nichtveganer und veganer Ernährung auch ganz genau festzustellen, habe ich eine Woche normal gegessen und aufgeschrieben, was ich während dieser Woche gegessen habe.
Als da wären: ein Toastbrot (zb. mit Nutella, Salami oder Kräuterbutter), eine Packung Mon Cherié, eine vegetarische(!) Pizza, eine Salami-Pizza, eine Spinat-Pizza, ein Döner, Nudeln mit Tomatensoße, zwei Big Macs, einmal Chop Suey, ein Käse-Schinken-Nudelauflauf, Kleinigkeiten wie Bifi, Carazza, Corny oder Twix, Kassler, fünf Muffins, knapp ein Kasten Bier, ein Rinderfilet, Kartoffeln und eine Käsesuppe.
Ok. Was davon darf ich noch essen, wenn ich mich vegan ernähre? Aja. Nudeln, Bier und Kartoffeln. Und? Und Mon Cherié. Aber wieso denn jetzt Mon Cherié? Da ist doch Schokolade drin? Die Vereinigung Peta, die so etwas wie die Regierung der Veganer ist, hat auf ihrer Homepage eine Liste mit allen Lebensmitteln veröffentlicht, die man als vegan lebender Mensch verzehren darf. Und da sich die Peta-Leute anscheinend nicht aller Leckereien berauben wollen, gelten Lebensmittel, die Milch und Eier enthalten KÖNNTEN als vegan. Gut für mich.
Die Woche beginnt damit, dass ich nicht weiß wie ich in den Tag starten darf. Mein allmorgendliches „Muffin in der U-Bahn-Spelunke kaufen“ fällt wohl aus. Ein Apfel muss reichen. Und so geht es den Tag über weiter. Ein Apfel hier, ‘ne Paprika da. Zeit sich nach Alternativen umzusehen. Couscous (Grundnahrungsmittel der nordafrikanischen Küche) sieht ganz gut aus. Schmecken tut es ebenfalls ganz gut. Satt machen tut die Pampe aber leider nur für kurze Zeit. Zu Hause angekommen überrascht mich meine Freundin mit Soja-Pudding. Der war sogar echt lecker und ersetzt fortan mein Muffin-Ritual. Tag 1 endet mit dem Verlangen nach Fleisch. Pech gehabt.
Tag zwei verläuft weitestgehend wie der erste Tag, mit dem Unterschied, dass ich mir abends mal ein richtiges Gericht zubereitet habe. Tofu-Tomatensoße mit Nudeln. Wer nicht weiß was Tofu ist, hier ne kurze Erklärung: Tofu ist eine Mischung aus Schuhsohle und Kaugummi. Nachdem ich den/das/die Tofu eine gefühlte Stunde angebraten habe, ist es nicht mehr ganz so gummiartig und schmeckt ganz gut.
Am dritten Tag ist es so weit und ich traue mir einen Großeinkauf zu. Es war die Hölle. Die Supermarkt-Kette wirbt mit dem Werbespruch „Einmal hin, alles drin“, hat dann aber keine vegane Abteilung. Also nichts mit alles drin. Ich habe mindestens drei Stunden länger gebraucht, weil ich mir von jedem Scheiß die Zutaten-Liste durchlesen musste. Warum ist denn in Kartoffel-Chips Milch? Aber hey, ich könnte ja dafür die Alnatura Dinkel Kräcker Sesam essen. Das lass ich jedoch lieber und mache mir dann abends eine leckere Kartoffelsuppe.
Am vierten Tag schaue ich auf dem Weg zum lustigen Mädelsabend mit den Kommilitonen noch kurz bei McDonalds vorbei um herauszufinden, ob deren Pommes vegan sind. Die 5€-Aushilfen wissen natürlich nicht mal was vegan ist und erklären mir dafür aber dauernd, dass Pommes aus Kartoffeln und nicht aus Fleisch sind. Ah danke, ohne euch hätte ich das nicht bemerkt. Ich lasse mir also den Chef kommen, der mir versichert, dass an oder in den Pommes keine tierischen Produkte sind. Als guter Veganer sollte man natürlich trotzdem nicht zu McDonalds gehen, da die wahrscheinlich jedes Tier schneller verarbeiten als ich „Tierquälerei“ sagen kann. Etliche Biere und zu viel Jack Daniel`s später, versuche ich im leicht benommenen Zustand auch herauszufinden ob die Pommes bei Burger King ebenfalls vegan sind. An die Antwort kann ich mich nicht erinnern, morgens finde ich in meiner Tasche jedoch eine Burger King Pommes-Tüte.
Der fünfte Tag verläuft ganz gut, da ich mich nicht ärgern muss kein Fleisch essen zu dürfen, da sämtliche feste Nahrung…sagen wir mal so: nicht so günstig gewesen wär. Abends lasse ich mich dann doch dazu hinreißen von einer Gemüse-Lasagne zu probieren. Sehr lecker, das würde ich sogar freiwillig essen.
Tag Sechs und Sieben gehen mit viel Soja-Pudding und Gemüse zu Ende. Jetzt reichts dann aber langsam auch mal mit dem Vegan sein. Am letzten Tag habe ich zwar noch die vegane Abteilung bei DM entdeckt, wo es aber auch nur Matschepampen in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Die erinnern eher an wiedergekäuten Baby-Brei und sind daher nicht unbedingt mein Fall und können mich nicht dazu bewegen vielleicht dauerhaft vegan zu essen.
Alles in allem kann ich sagen, dass es am Anfang sicherlich nicht leicht war, unmöglich ist es jedoch nicht vegan zu leben. Ich werde nach diesem Experiment sicherlich anders und bewusster essen, als vorher. Mir sind Döner und Pizza jedoch wichtiger als das gute Gewissen und daher werde ich auch weiterhin nicht vegan leben.
Dieses Experiment habe ich im Rahmen eines Hochschul-Projekts durchgeführt.
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